Anfang März fiel in Chemnitz der offizielle Startschuss für das Forschungsprojekt DiziPro – ein wegweisendes Vorhaben, das die digitale Sanierung und Revitalisierung von Industriegebäuden vorantreibt.
Herausforderungen bei Industriegebäuden im Bestand
Eigentümer von ehemaligen Industriegebäuden stehen oft vor komplexen Herausforderungen. Viele Gebäude sind unsaniert oder ihre Bausubstanz nur unzureichend bekannt. Teilweise kann es kontaminierte Bereiche geben, die besondere Prüfungen und Maßnahmen erfordern. Außerdem müssen Materialien, Bauteile und Sanierungspotenziale systematisch erfasst werden – sowohl, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten, als auch für eine wirtschaftliche Planung und mögliche Förderungen. Ohne digitale Unterstützung ist diese Bewertung oft zeitaufwendig, fehleranfällig und wenig transparent. DiziPro setzt genau hier an: Mit digitalen Zwillingen und einer offenen, KI-gestützten Plattform werden Bestandsdaten strukturiert erfasst, visualisiert und analysierbar gemacht. So lassen sich Sanierungsmaßnahmen gezielt planen und vorhandene Ressourcen effizient nutzen – unabhängig davon, ob es um einzelne Industriegebäude oder größere Areale geht.
Eigentümerperspektive in der digitalen Plattformentwicklung
Unsere Aufgabe im Projekt ist es, die Eigentümerperspektive in allen Phasen einzubringen – von der Erfassung und Aufbereitung der Bestandsdaten, über die Festlegung von Anforderungen und Aufgaben, bis hin zur Mitwirkung bei der Gestaltung, Entwicklung, Erprobung und Verbesserung der digitalen Plattform. Durch unsere aktive Mitarbeit bei Analysen, Prototypentests, Gesprächen mit Beteiligten und der Umsetzung von Optimierungen tragen wir dazu bei, dass die Plattform den praktischen Anforderungen von Eigentümern und Nutzern entspricht und langfristig in der Bestandsbewirtschaftung von Industriegebäuden eingesetzt werden kann.
Kick-off: Praxisnaher Start im Gewerbepark
Der Projektauftakt führte uns an zwei wichtige Orte: Zum einen in die fabrik chemnitz, ein revitalisiertes Industrieareal, das als Beispiel für erfolgreiche Sanierung dient. Fokus am ersten Tag war das gegenseitige Kennenlernen und die Präzisierung der kommenden Projektphasen.
Tag zwei führte uns in unseren Gewerbepark, wo Theorie auf Praxis traf: Vor Ort wurden die Chancen und Hürden von Bestandsimmobilien sofort greifbar. Im Dialog mit den Projektbeteiligten haben wir die Projektziele weiter definiert, erste Schritte fixiert und uns zur künftigen Kommunikation abgestimmt.
Ausblick: Nächste Schritte und Perspektiven
In den nächsten Projektphasen stehen die detaillierte Analyse des Bestands, die Erfassung relevanter Daten sowie die Definition von Standards und Anforderungen für die digitale Plattform im Vordergrund. Anschließend wird die Plattform in realen Praxisfällen erprobt und durch Workshops und Evaluationen mit Stakeholdern kontinuierlich optimiert. Durch unsere aktive Beteiligung wird sichergestellt, dass die digitale Lösung praxisnah funktioniert und echten Mehrwert für Eigentümer, Nutzer und die gesamte Branche bietet.
Wir freuen uns auf die kommenden drei Jahre und darauf zu zeigen: Bestehende Industriegebäude sind keine Altlasten, sondern wertvolle Ressourcen, die mit digitaler Unterstützung effizient revitalisiert und nachhaltig weiterentwickelt werden können.
Als konkreter Anwendungsfall dient unser Gebäude 3, das aktuell größtenteils leersteht. Lediglich einige Lagerflächen im Keller- und Erdgeschoss sind derzeit vermietet.
Das Gebäude bietet unterschiedliche Raum- und Flächentypen: Von kleinen Lagerräumen im Erdgeschoss über große, werkstattähnliche Flächen in den zweiten und dritten Etagen bis hin zu klassischen Büroräumen in den oberen Stockwerken.
Bisher konnten noch keine konkreten, vielversprechenden Nutzungskonzepte umgesetzt werden. Umso gespannter sind wir, inwieweit DiziPro die Revitalisierung des Gebäudes unterstützen und neue Perspektiven für eine sinnvolle Nutzung eröffnen kann.
Mehr Eindrücke von Gebäude 3 erhaltet Ihr hier!
Das Projekt wird im Rahmen des GreenTech Innovationswettbewerbs gefördert und ist Teil des Programms „Entwicklung digitaler Technologien“. Über eine Laufzeit von 36 Monaten entstehen neue Ansätze für einen nachhaltigeren Umgang mit industriellen Gebäudebeständen.
Fotos 2, 3 und 4 vom KickOff ©Fraunhofer IWU
